Wald ist ein Vermögenswert, der langfristige Wertstabilität, laufende Ertragschancen und gesellschaftlichen Nutzen verbindet. Für private Eigentümer – insbesondere Familienbetriebe, Family Offices und nicht-steuerfinanzierte Organisationen – ist eine klare, umsetzbare Strategie zentral, damit sich Waldinvestitionen im Klimawandel als verlässliche Anlageoption bewähren.
Der Klimawandel verändert Wachstumsbedingungen, Märkte und Produktionszeiträume. Das schafft neue Aufgaben und verlangt solide Entscheidungen. Für nicht steuerfinanziertes Eigentum geht es darum, die Struktur des Waldes so auszurichten, dass Vermögen, Ertragskraft und Handlungsspielräume langfristig erhalten bleiben.
1. Veränderungen nüchtern einordnen
Seit den 1960er-Jahren steigt die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre stetig an. Das führt zu längeren Vegetationszeiten, regional ausgeprägten Trockenphasen, höheren Hitzeperioden und Folgeerscheinungen. Viele Wälder bestehen heute aus vergleichsweise alten, dichten und trägen Strukturen. Unter den veränderten Bedingungen lassen sie sich zügiger und zielgerichteter steuern, um Wachstum und Stabilität zu sichern.
Die langfristige Entwicklung der CO₂-Konzentration zeigt diesen Trend deutlich (vgl. Abbildung 1): Trotz zahlreicher internationaler Bemühungen (Klimakonferenzen) ist bislang keine Trendumkehr erkennbar.

Abbildung 1: Entwicklung der CO₂-Konzentration seit 1958 (Mauna Loa, NOAA/NASA) mit Markierung ausgewählter Klimakonferenzen (z. B. Rio 1992, Kyoto 1997, Paris 2015, Glasgow 2021). Der Anstieg verläuft trotz dieser Konferenzen weitgehend ungebrochen.
Diese Rahmenbedingungen lassen sich nicht verändern, aber sie lassen sich berücksichtigen – und aktiv in die Vermögensverwaltung von Wald einbeziehen.
2. Drei Leitlinien für ein zukunftsfähiges Waldvermögen
Aus der Praxis erfolgreich geführter Privatwälder lassen sich drei robuste Leitlinien ableiten:
- Gebundenes Sachvermögen im Wald fokussiert steuern
- Investitionen auf verlässliche und marktnahe Optionen ausrichten
- Biologische, wirtschaftliche und organisatorische Agilität stärken
Diese Prinzipien sind klassische Grundsätze der Vermögensverwaltung. Übertragen auf den Wald gewinnen sie im Klimawandel an Gewicht und verlangen nach Praxiserfahrung – und der Bereitschaft, tradierte Muster zu hinterfragen.
3. Gebundenes Vermögen gezielt steuern
Waldvermögen setzt sich im Wesentlichen aus Bodenwert und Bestandeswert zusammen. Der Boden ist langfristig gebunden. Der Bestandeswert kann aktiv gestaltet werden.
Private Wälder in Deutschland weisen im Durchschnitt etwa 393 fm/ha auf, in der Schweiz etwa 402 fm/ha. Diese Vorräte entsprechen – je nach Sortiment, Region und Erlösniveau – einem gebundenen Wert von rund 25’000 bis 50’000 € pro Hektar (bei mittleren erntekostenfreien Erlösen). Entscheidend ist die Frage, wie hoch dieser Vorrat sein soll. Ziel ist eine Bestandesstruktur, die stabil ist, laufende Erträge auf solidem Niveau ermöglicht und Schadens- sowie Marktrisiken in einem tragbaren Rahmen hält.
Eine zielorientierte Bewirtschaftung steuert die Vorräte so, dass
• ein hoher laufender Zuwachs,
• angestrebte (wertschöpfungsstarke) Sortimente in möglichst kurzen Zeiträumen
• und Erlöse bei ungeplantem Nutzungsanfall
bei möglichst geringem Kapitaleinsatz gewährleistet sind.
Durch konsequente Auslesedurchforstung lässt sich die Kapitalbindung typischerweise um etwa 30–50 % reduzieren, ohne die jährliche Ertragskraft zu mindern. Die Bestände werden dadurch risikoärmer, leistungsfähiger und flexibler steuerbar. Das freigesetzte Vermögen kann in alternative Anlageoptionen fliessen.
Ein gutachtliches Beispiel (vereinfachte Grössenordnung):
• Konventionelle Bewirtschaftung: ca. 380 fm/ha → rund 41’800 €/ha Kapitalbindung
• Auslesedurchforstung: ca. 260 fm/ha → rund 28’600 €/ha Kapitalbindung
Bei gleichem Erlös sinkt die Kapitalbindung um gut 30 %, während die laufenden Nutzungsmöglichkeiten erhalten bleiben.

Abbildung 2: Beispielhafte Gegenüberstellung der Vorräte und Kapitalbindung zwischen konventioneller Bewirtschaftung (380 fm/ha) und Auslesedurchforstung (260 fm/ha) bei gleichem Erlösansatz. Die Kapitalbindung sinkt deutlich – bei vergleichbarer jährlicher Ertragskraft. Verkürzte Umtriebszeiten begünstigen effizienten Kapitaleinsatz.
4. Investitionen mit klarer Orientierung tätigen
Nicht jede Baumart und nicht jedes Bewirtschaftungskonzept zahlt gleich gut auf die erwarteten (unsicheren) Entwicklung ein. Orientierung bieten wenige, klare Grundsätze:
- Nadelholzarten bilden in Mitteleuropa weiterhin das wirtschaftliche Fundament. Sie verfügen über stabile Absatzmärkte und eingespielte Wertschöpfungsketten.
- Laubholz unterstützt die Struktur des Waldes dort, wo es mit geringen Produktionskosten wirtschaftlich erzeugt und als Holzsortiment gut verwertet werden kann. Besondere Bedeutung haben kurze Produktionszeiträume.
- Baumarten mit hohen Produktionskosten sollten nüchtern geprüft werden: Standorttauglichkeit, Klimarisiken, Pflegeaufwand und langfristige Marktperspektive. „Modebaumarten“ ohne belastbare Absatzbasis binden Kapital und erhöhen das Risiko.
Ein besonders wirkungsvoller Hebel liegt in der Steuerung den jungen Wäldern. Eine rechtzeitige Reduktion der Stammzahl (mit Ausnahmen von Baumarten wie Buche, die eigene Behandlungsregeln erfordern) fördert vitale Einzelbäume, gute Kronenentwicklung (Vitalität) und kürzere Produktionszeiträume. Das erhöht Flexibilität und Stabilität zugleich – biologisch und wirtschaftlich.
5. Agilität auf mehreren Ebenen stärken
Agilität bedeutet, so zu planen, dass unterschiedliche Entwicklungen bewältigt werden können, ohne in den Krisenmodus zu geraten.
Biologische Agilität
Zielbaumkonzepte tragen dazu bei, dass Bestände auch bei nicht vorhersehbarem Nutzungsanfall wirtschaftlich tragfähige Dimensionen erreichen. Wer nicht an starre (hohe) Umtriebszeiten gebunden ist, kann besser auf ungeplante Ereignisse (Sturm, Käfer) oder Marktfenster reagieren.
Wirtschaftliche Agilität
Werte, die nicht im Bestand gebunden sind, lassen sich flexibler anlegen und bei Bedarf wieder in den Wald zurückführen. Das erhöht die Reaktionsfähigkeit, wenn Chancen entstehen oder besondere Eingriffe erforderlich werden.
Organisatorische Agilität
Strukturen sollten so gestaltet sein, dass sie ohne hohe Anpassungskosten an veränderte Bedürfnisse adaptiert werden können. Etliche Eigentümer nutzen flexible Betreuungsmodelle, die
• eine bedarfsgerechte Betreuung sicherstellen,
• das Einpersonenrisiko (Klumpenrisiko) reduzieren
• und laufenden Wissens- und Technologietransfer ermöglichen.
6. Umsetzung: Zusammenarbeit mit klaren Rollen
Für Familienbetriebe, Family Offices und nicht-steuerfinanzierte Organisationen ist die strategische Lenkung ihres Vermögens ein kontinuierlicher Prozess. Eine klare Rollenverteilung zwischen Eigentümer, Vermögensverwaltung und operativer Umsetzung unterstützt diesen Prozess.
· Wichtige Elemente sind:
• solide, nachvollziehbare (überprüfbare) Entscheidungsgrundlagen (Waldbau- und Betriebskonzepte),
• gezieltes Management von Vorräten, Risiken, Kosten und Erlöspotenzialen,
• regelmässige Überprüfung von Annahmen und Zielen anhand definierter Steuergrössen (KPI),
• kontinuierliche Anpassung an Standort, Markt und Bestandesentwicklung.
So wird sichergestellt, dass forstliche Entscheidungen und Vermögensentscheide konsistent bleiben.