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Der Bodenkrümler in der Eichensaat

Ein Praxistest von Marcus Küchler, Leiter Forstservice
21. September 2026 durch
Der Bodenkrümler in der Eichensaat
Marcus Küchler
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Marcus Küchler, Leiter Forstservice bei InnoForst, erhält einen klaren Auftrag eines Waldbesitzers: Die Kermesbeere soll mit dem Spaten bekämpft werden, damit die Eichensaat als Zielbestockung gesichert wird. Der Spaten liefert das aktuell gründlichste Ergebnis. Er kostet allerdings so viel Zeit, dass die Bekämpfung teuer wird und viele Waldbesitzer sie deshalb sein lassen. Marcus Küchler suchte nach einem schnelleren Weg und fand ihn in einem Akku-Erdbohrer. 

Ausgangslage

Die meisten fremden Pflanzen bleiben unauffällig

Das Bundesamt für Naturschutz hat rund 2.000 gebietsfremde Pflanzenarten in Deutschland bewertet. 38 davon gelten als invasiv, also als aus öffentlicher Sicht nachweislich schädlich. Zehn stehen auf der Aktionsliste und sollen vorrangig bekämpft werden. Der ganze Rest bleibt unauffällig.

Ein Beispiel steht in fast jedem deutschen Wald: das Kleinblütige Springkraut. Es stammt aus Sibirien und Zentralasien, hat sich selbst ausgebreitet und ist heute der einzige weit verbreitete Neophyt in der Krautschicht unserer Wälder. Trotzdem schreibt das Bundesamt für Naturschutz dazu: Weil Nachweise einer Beeinträchtigung anderer Arten weitgehend fehlen, sei der Sinn von Bekämpfungsmaßnahmen fraglich. Der Umweltjournalist Fred Pearce hat in seinem Buch „Die neuen Wilden“ eine ganze Reihe solcher Fälle gesammelt.

Die Amerikanische Kermesbeere steht in dieser Bewertung eine Stufe darunter. Nehring und Kollegen führen sie 2013 als potenziell invasiv, also als Beobachtungsfall.

Eine bundesweite Einstufung beschreibt das Land als Ganzes. Den Maßstab setzt der einzelne Waldbestand. Die Frage vor Ort lautet: Verhindert diese Pflanze hier ein konkretes Ziel?

Der Auftrag

Wir betreuen die Fläche für einen Waldbesitzer. Dort wurde Eiche gesät. Die Kermesbeere steht dicht daneben und kurz vor der Blüte. Bleibt sie stehen, erstickt sie die Saat. Der Auftrag an den Forstservice lautet deshalb: Die Fläche räumen, solange die Pflanzen noch blühen.

Zwei Eigenschaften machen die Pflanze zum Problem:

  • Sie nimmt das Licht weg. Sie wird ein bis drei Meter hoch und wächst in dichten Beständen. Darunter kommen noch 2 bis 10 Prozent des Lichts am Boden an. Eine junge Eiche braucht mehr.
  • Sie macht sehr viele Samen. Ein ausgewachsener Trieb trägt rund 32.000 Stück, ein dichter Bestand rund 64 Millionen je Hektar. Vögel fressen die Beeren und tragen die Samen weit. Im Boden bleiben sie über sechs Jahre keimfähig.

Dazu kommt die Wurzel. Unter der Erde sitzt eine dicke, fleischige Rübe. Sie überwintert und treibt im Frühjahr wieder aus. Bei älteren Pflanzen kommen über zehn Triebe aus einer einzigen Rübe. Wirksam ist deshalb allein ein Eingriff an der Rübe selbst.

Lichtangebot und Vorkommen hängen unmittelbar zusammen. Quelle: FVA Baden-Württemberg

Wer eine einzige Pflanze übersieht, hat im nächsten Jahr rund 32.000 neue Samen im Boden. Diese Samen keimen noch in sechs Jahren.

Das schlägt auf die Kosten durch. Die FVA Baden-Württemberg beziffert die Bekämpfungskosten je nach Stadium auf 700 bis 3.800 Euro je Hektar und Bekämpfungseinsatz. Der Unterschied liegt fast nur am Zeitpunkt.

Bekämpfungskosten je Hektar und Bekämpfungseinsatz. Quelle: FVA Baden-Württemberg

Ziel

Kurzfristig gilt eine einfache Vorgabe: Jede Kermesbeere auf der Fläche fällt, bevor die erste Beere reif ist. Jede einzelne.

Das eigentliche Ziel liegt weiter. Die FVA hat in der Schwetzinger Hardt eine unmittelbare Korrelation zwischen dem Vorkommen der Kermesbeere und einer hohen Lichtversorgung festgestellt. Dichte Bestände hemmen die Pflanze. Auflichtungen wirken umgekehrt: Sobald Licht auf den Boden fällt, keimt der Samenvorrat und die Fläche steht im Folgejahr wieder voll.

Daraus ergibt sich die Strategie. Die Eichenverjüngung soll so rasch wie möglich aufwachsen und die Fläche beschatten. Die Samen bleiben über sechs Jahre keimfähig.

Hält die Eichenverjüngung die Fläche über diese sechs Jahre im Schatten, läuft der Vorrat im Boden nach aktuellen Erkenntnissen leer.

Sechs Jahre Beschattung durch die Eichenverjüngung gewinnen die Fläche zurück.

Die mechanische Bekämpfung kauft Zeit. Die Eichenverjüngung gewinnt die Fläche zurück. Sechs Jahre Beschattung entleeren die Samenbank.

Damit steht auch die Rangfolge der Arbeit fest: Jede Maßnahme, die die Eichensaat hochbringt, wirkt gegen die Kermesbeere. Die manuelle Bekämpfung hält die Fläche so lange frei, bis die Eichen den Schatten selbst liefern.

Zwei Bedingungen gelten dabei:

  • Die junge Eichensaat bleibt unberührt.
  • Mechanische Bekämpfung erfüllt die Anforderungen der Zertifizierung (PEFC/FSC) und des Grundwasserschutzes.

Lösungen

Weg 1: der Spaten

Die FVA empfiehlt für den Wald das vollständige Ausgraben mit anschließender Verbrennung. Das ist die gründlichste Methode. Sie hat einen Haken: Bei schwerem Boden und Hitze bleibt sie langsam und körperlich hart. Die Konsequenz ist, dass Waldeigentümer auf eine Bekämpfung verzichten.

Genau an dieser Stelle setzte Marcus Küchler an. Sein Auftrag verlangt eine Lösung, die der Waldbesitzer auch bezahlen kann. Also suchte er nach einem Werkzeug, das den Arbeitsfortschritt erhöht und dabei am selben Punkt angreift wie der Spaten: an der Rübe.

Weg 2: Chemie

Die österreichische AGES berichtet von Versuchen mit Glyphosat und Wuchsstoffen, die über 80 Prozent Wirkung erreichten. Auf zertifizierten Flächen und in Wasserschutzgebieten scheidet dieser Weg aus.

Weg 3: der Bodenkrümler

Marcus Küchler setzte einen Akku-Erdbohrer von Stihl mit einem rautenförmigen Bodenkrümler ein. Der Aufsatz wird direkt über der Pflanze angesetzt. Er lockert und zerkleinert die Rübe an Ort und Stelle im Boden.

Das Prinzip ist in der Fachliteratur beschrieben. Die AGES nennt für Einzelpflanzen und kleine Bestände den „Spatenstich in die Rübe“ als Bekämpfungsmethode. Der Bohrer setzt dasselbe Prinzip um, nur tiefer, gründlicher und mit deutlich weniger Kraftaufwand.

Pius Rück mit Akku-Erdbohrer mit rautenförmigem Bodenkrümler im Einsatz. Foto: InnoForst

Die Rübe der Kermesbeere, das Überdauerungsorgan der Pflanze. Foto: InnoForst

Punktueller Eingriff, geschlossene Bodendecke

Man könnte die ganze Fläche mulchen oder fräsen. Das würde die Eichensaat mitnehmen und den gesamten Oberboden durcharbeiten. Der Bohrer greift dagegen pro Pflanze nur auf wenigen Quadratdezimetern an.

Dazwischen bleibt alles liegen: Laubstreu, Humus, die feinen Wurzeln der Nachbarpflanzen, die vorhandene Naturverjüngung. Gehäckselt wird die einzelne Pflanze. Der Lebensraum der Bodenorganismen bleibt zwischen den Eingriffsstellen erhalten.

Der große Vorteil: Das Verfahren arbeitet rein mechanisch. Damit ist es auch auf zertifizierten Flächen und in Wasserschutzgebieten einsetzbar. Die Arbeit fällt zudem deutlich leichter als Spatenarbeit. Das entscheidet darüber, wie viele Pflanzen pro Tag tatsächlich erwischt werden.

Die offene Frage: Wiederaustrieb

Die Rübe ist regenerationsfähig, darin ist sich die Literatur einig. Sie ist das Überdauerungsorgan der Pflanze und bildet schlafende Knospen, aus denen neue Triebe kommen. Offen ist die Frage, ob zerkleinerte Reste im Boden dasselbe leisten. Sie wird in wurzelsder Folge zu beobachten sein.

Die Quellenlage:

  • Die Oregon State University Extension schreibt: „Pokeweed can re-sprout from root pieces left in the soil.“ Also: Die Pflanze kann aus Wurzelstücken im Boden wieder austreiben. Angaben zur Häufigkeit und zur kritischen Stückgröße fehlen.
  • Das Landesamt LANUK NRW bescheinigt der Art eine hohe Regenerationskraft, besonders bei jungen Pflanzen.
  • Die FVA empfiehlt deshalb, die Rübe ganz herauszunehmen und zu verbrennen.
  • Die AGES lässt den Spatenstich in die Rübe gelten. Angaben dazu, wie zuverlässig die durchtrennte Rübe abstirbt, fehlen.

Zur Trockenheit fehlen uns für diese Art belastbare Untersuchungen. Der Krümler belässt die Reste im Boden, wo sie feucht bleiben.

Zerkleinertes Wurzelstück nach dem Krümeln. Foto: InnoForst


Wiederaustrieb aus Wurzelstücken ist in der Fachliteratur erwähnt. Zahlen dazu fehlen. Das ist der offene Punkt des Verfahrens.

Die Abwägung

Spatenarbeit ist mühsam, und mühsame Arbeit führt dazu, dass Pflanzen stehen bleiben. Genau das ist der teure Fall.

Eine stehen gelassene Kermesbeere samt ab: rund 32.000 Samen, verteilt durch Vögel, über sechs Jahre keimfähig. Eine gekrümelte Kermesbeere hinterlässt im schlechtesten Fall Wurzelreste, aus denen im Folgejahr neue Triebe kommen. Die FVA nennt für mehrjährige Wurzeln über zehn Triebe. Diese Triebe stehen am selben Punkt, sind im Frühjahr sichtbar und lassen sich vor der nächsten Blüte nacharbeiten.

32.000 Samen einer stehen gebliebenen Pflanze gegenüber mehr als zehn Trieben aus einer gekrümelten Rübe.

Das Restrisiko des Krümelns wiegt leichter als der Samenertrag einer Pflanze, die aus Aufwandsgründen stehen geblieben ist.

Nachkontrolle gehört zum Verfahren

Daraus folgt eine Bedingung: Wer nach der AGES-Methode arbeitet und das zerkleinerte Material im Boden belässt, muss die Fläche überwachen und bei Bedarf nacharbeiten. Erst die Kontrolle zeigt den Erfolg. Ein übersehener Wiederaustrieb erreicht im Folgejahr wieder die Fruchtreife.

Die Bekämpfung der Kermesbeere zieht sich damit über mehrere Jahre. Die behandelten Punkte werden einzeln erfasst, die Fläche wird jeweils im Frühjahr zum Austrieb ab Anfang März kontrolliert, und wo Triebe erscheinen, wird nachgearbeitet. Nach drei Vegetationsperioden lässt sich sagen, ob die Zerkleinerung reicht oder ob die Rübe vollständig heraus muss.

Unabhängig davon bleibt die Samenbank im Boden die eigentliche Daueraufgabe. Selbst wenn jede Wurzel abstirbt, keimt der Vorrat noch jahrelang nach. Deshalb gehört auch das Reinigen der Maschinen beim Flächenwechsel dazu, sonst fahren Samen mit.

Fazit

Der Bodenkrümler ist ein Arbeitsschritt von mehreren. Er leistet drei Dinge zugleich: Er geht schneller als der Spaten, er verschont die Eichensaat, er öffnet den Boden punktgenau. Nach heutigem Stand ist er damit die wirksamste Methode, um das Ziel zu erreichen. Zugleich hält er die Fläche frei, bis die Eichenverjüngung den Schatten selbst liefert.

Der Preis dafür ist ein Restrisiko im Boden. Wichtig ist eine Nachkontrolle.

Ob das Verfahren dauerhaft wirkt, zeigen die nächsten drei Frühjahre. 

Quellen

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